SZ-Bericht zu Weihnachtssoirée 2018




Zwischen Loriot und "Stille Nacht"
Dramatischer Verein beeindruckt mit Weihnachtssoirée in der Stadthalle Biberach

von Günter Vogel

Jeweils am 3. Adventssonntag lädt der Dramatische Verein seine Freunde, Gäste und Mitglieder in die Stadthalle zur Weihnachtssoiree. Seit 1979 erfreut die Besucher eine große thematische Bandbreite, aber alles hat natürlich einen Bezug zu Weihnachten. Der künstlerische Leiter dieses Abends war Emin Ahmeti, der ein spannendes Programm vorbereitet hatte.
Die erste Hälfte galt im wesentlichen dem unvergleichlichen Zeichner, Schriftsteller und Komiker Loriot (Vicco von Bülow), der 2011 starb. Und Ahmeti sprang mit zwei Sketchen dieses Meisters des Humors in dessen Weihnachten: In „Der Spielwarenladen“ kauft Opa Hoppenstedt für seinen Enkel einen Atomwerks-Baukasten. In „Weihnachten bei Hoppenstedts“, wird der Baum geschmückt, werden die Geschenke verteilt. An Heiligabend versucht die Familie, sich zum Ablauf zu verständigen. Opa Hoppenstedt quengelt:„Ich will jetzt mein Geschenk haben!“. Während der Bescherung packt Vater Hoppenstedt eine Krawatte nach der anderen aus. Und hier fällt das berühmt gewordene geflügelte Wort vom Opa: „Früher war mehr Lametta.“ Und diesen Opa, den Loriot in Fernsehaufzeichnungen immer selbst spielte, gab der großartige Komödiant Günter Bilsky, der den Ton unnachahmlich traf. Weitere Darsteller der Sketche waren mit viel Engagement Conny Selg, Heribert Moormann, Lili Glück, Miriam Gutermann.
Bilsky las noch einige unbekannte Gedichte mit weihnachtlichem Hintergrund von Heinz Erhardt sowie Loriots „Weihnachtsgedicht“, in dem die Försterin den Förster meuchelt, zerlegt, die Einzelteile in Geschenkpapier einwickelt und die Päckchen dem Knecht Ruprecht für arme Leute mitgibt. Hanni Schurer las zwischen den Sketchen Weihnachtsgedichte von Hans Christian Andersen und Toni Ungerer.
Emin Ameti hatte klug zwei sehr unterschiedliche Hälften des Abends vorgesehen. Nach der Pause sang der Chor „Chorisma“ aus Warthausen, geleitet von Simon Föhr, begleitet von Christoph Schlanser am Klavier und Simon Rauch am Schlagzeug. Der Chor ist sehr gut studiert mit sauberer Intonation und expressiver Intensität, singt ohne störende Notenblätter in der Hand, schaut in das Publikum.
Sie sangen Weihnachtslieder aus vielen Ländern, begannen mit „Akekho ofana no Jesu“ in der Zulusprache: „Es gibt niemanden wie Jesu“. Die Lieder hatten nahezu alle einen direkten weihnachtlichen Bezug, sehr rhythmisch, mitreißender Gospelsong dominierte mit sängerischem Drive. Man hörte Titel wie „Everything“ von Michael Bublé  aus Kanada, das ebenfalls kanadische „Halleluja“  von Leonard Cohen. Udo Jürgens hatte 1985 seine Hymne an die Zukunft „Ihr von morgen“ geschrieben. Michael Jacksons großer Hit „We are the world“ war eine der meistverkauften Singles aller Zeiten. Dem modernen „Der Traum der Weihnachtszeit“ von Pasquale Thibaut folgte ein friedlicher Dreivierteltakt von John Lennon „So this ist Christmas“. 
Der Abend endete mit dem schönsten aller Weihnachtslieder, mit „Stille Nacht“  von  Franz Gruber und Joseph Mohr. Das Lied ist Inbegriff des Weihnachtsfestes im deutschen uns auch internationalenSprachraum. Vor genau 200 Jahren wurde es 1818 das erste Mal in Oberndorf bei Salzburg aufgeführt, ist seitdem in mehr als 100 Übersetzungen weltweit verbreitet. Hier muss aber angemerkt werden, daß dieses wunderbare Lied seinen zauberischen Charme nur entfalten kann, wenn es piano und in langsamem Adagio gesungen wird, und helle Beleuchtung ist fehl am Platze, die gab es im Stall von Bethlehem auch nicht.
In den 40 Jahren seit Bestehen der Weihnachtssoiree hat es - natürlich - verschiedene künstlerisch Verantwortliche gegeben, die diese Adventsveranstaltung ihrerseits individuell geprägt und zu einem Publikumsliebling gemacht haben. Emin Ahmeti hat mit seiner ersten Soiree die Erfolgsgeschichte eindrucksvoll fortgesetzt.