SZ-Bericht zu Shakespeare´s Memory

Literarische Appetithappen vom Feinsten
 
 „Shakespeares Memory“ nennt der Dramatische Verein seine Kurzinterpretation von vier Stücken des englischen Dramatikers. Von Günter Vogel.
 
Die Spieler treten auf, Puppen mit eckigen Bewegungen, scheinbar leblos, stellen sich auf ein Dreistufenpodest, von dem sie zu ihren Spielauftritten heruntersteigen, danach wieder zurückgehen.
Regisseur Thomas Laengerer hat für die vier Shakespeare-Konzentrate eine wahrlich internationale Besetzung mit jungen Spielern zusammengestellt, die aus elf Ländern in vier Erdteilen stammen mit iranischer Katharina, kosovarischem Macbeth, Shylock aus den USA und einem nigerianischen Othello. Zwei Schwaben waren auch dabei.
Das Regie-Konzept ist es, zusammenfassende und handlungserläuternde Texte aus „Shakespeares Geschichten“ von Walter E. Richartz zu lesen (Günther Bilsky und Thomas Laengerer) und an dramaturgischen Schlüsselstellen Originalszenen spielen zu lassen. Eröffnet wurde mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit der drastischen Werbung des Petrucchio um Katharina, die er dann gründlich zähmt. Happy End! Die beiden spielte ein echtes Ehepaar, Narges Kurtz-Alaedini und Daniel Kurtz mit Ironie und viel Spielfreude. Da jeder der auswärtigen Spieler ein bis zwei Sätze in seiner Muttersprache sagt, konnte man Katharinas klangvolles Persisch hören.
Ernst und dramatisch danach mit zwei Szenen aus Macbeth zwischen dem Königsmörder und der Lady. Der Kosovare Emin Ahmeti und die Polin Jolanta Jarosinska gestalteten mit großer Intensität und Darstellungskraft. Lady Macbeth muss ihren wankelmütigen Mann ständig seelisch und moralisch stützen, zuerst in der Überredung zum Mord an König Duncan, dann nach getaner Arbeit mit beider blutigen Händen. Sehr realistisch und handfest gespielt.
Im „Kaufmann von Venedig“ wird erst diffiziler, dann brutaler Antisemitismus breit ausgespielt. Diese Haltung war im elisabethianischen Theater nicht selten, ist auch bei Christopher Marlowe eindrucksvoll festzustellen. Bei Shakespeare leiht der Jude Shylock dem Kaufmann Antonio Geld, will bei Nichttilgung des Darlehens dem Schuldner „ein Pfund Fleisch“ in Herzhöhe aus dem Leib schneiden. Ein cleverer Richter macht das Drama zum Drama, erlaubt ihm zu schneiden, aber ohne auch nur einen Tropfen Blut zu vergießen. Am Ende verliert Shylock sein gesamtes Vermögent. Diese Rolle war mit der Amerikanerin Margot Pilon interessant besetzt und verwirklicht.
Eines der populärsten Shakespeare-Werke ist ohne Zweifel der „Othello“, die Geschichte eines leichtgläubigen dunkelhäutigen Mannes, Feldherr der Republik Venedig. Weil er den Intrigen und Einflüsterungen seines Fähnrichs Jago glaubt, erwürgt er in rasender Eifersucht seine Frau und bringt sich dann selbst um. Für diese Paraderolle hat der Dramatische Verein eine allemal ungewöhnliche Besetzung gefunden. Den Othello spielt Pater Paul Odoeme, ein katholischer Priester aus Nigeria, Pfarrvikar der Biberacher Dreifaltigkeitskirche. Er spielt sehr temperamentvoll und er singt in seiner Muttersprache mit volltönendem Bariton. Sympathischer Gegenpol die Französin Clémence Martell als Desdemona.
Weitere Mitwirkende waren die Brasilianerin Ana Isabel Runge,der Chinese Hui Zhu, die Slowenin Mateja Erzen, Natia aus Georgien und die Französin Pascale Pouzet.
Diese internationale Spielergruppe, die auch schon bei „Typ ich Biberach“ zusammen agierte, ist eine wirkliche Bereicherung des Aktivenstammes des Dramatischen Vereins.
Sie agierten spannend bis zur letzten Minute.