SZ-Bericht zu Othello

14.05.2017

Gerhard Trüg

Wie Othello dem Hass erliegt

Dramatischer Verein überzeugt bei der Premiere mit großer Schauspielkunst

 Biberach sz    „Othello“ im Komödienhaus: Unter der Regie von Thomas Laengerer ist dem Dramatischen Verein eine bravouröse Gesamtleistung gelungen. Der bekannte Stoff von William Shakespeare wurde dank der schauspielerischen Leistung der Protagonisten überaus spannend und überzeugend in Szene gesetzt.

Was treibt Jago, den Gegenspieler von Othello an, sein böses Intrigenspiel gegen seinen Vorgesetzten und Freund zu inszenieren? Ist es verletzter Stolz wegen einer verpassten Beförderung oder Eifersucht, weil er meint oder nur konstruiert, Othello betrüge ihn mit seiner Frau Emilia? Oder ist es doch reiner Rassismus, der ihn zu blindem Hass und reiner Bosheit gegen den „Schwarzen“ und „Neger“, wie er sich immer wieder verächtlich äußert, bewegt? Alle drei Gründe sind in der Tragödie von William Shakespeare maßgeblich für das Verhalten Jagos.

Othello wird von seinem Gegenspieler durch derbe und eindeutige Aussagen zu rasender Eifersucht getrieben: „Deine Frau probiert gerade die Karnickelstellung aus“, oder „wie lange hat er deine Frau gebockt“ – wie es in der Übersetzung von Frank Günther heißt –, was schließlich in der Ermordung seiner geliebten Desdemona gipfelt.

Paul Odoeme, Biberacher Priester, verkörperte den Protagonisten authentisch in Mimik und Gestik. Seine Liebe zu Desdemona, seine wachsende Eifersucht, aber auch seine Verzweiflung konnte der Zuschauer intensiv miterleben. Sein Gegenspieler Jago (Julian Schmid) überzeugte in seinem Part absolut. Jung, frech, raffiniert und skrupellos bis zum Äußersten, die Füße in Springerstiefeln, interpretierte er seine Rolle großartig und mit guter Diktion.

 Auf den Leib geschrieben

Petra Sontheimer war die Rolle der Desdemona wie auf den Leib geschnitten. Äußerst einfühlsam und bis zum Schluss ihre Liebe zu Othello bekundend, konnte sie durch den Tonfall der Stimme und ihre Aufmachung Liebe und Treue ausstrahlen. Sehr überzeugend war auch Cassio (Tom Talaj), der, ebenfalls Opfer der Intrigen Jagos, vom steifen und treuen Befehlsempfänger zum weinseligen lockeren Betrunkenen mutierte, herrlich ironisiert durch das Lied „Ja der Chiantiwein…“. Überhaupt die Musik: Durch das meist sehr behutsam, manchmal auch vehement eingesetzte Schlagzeug (Markus Merz und Sarah D’Amico) wurde des Bühnengeschehen zusätzlich unterstützt und dramatisiert. Emilia, Jagos Frau, (Irene Schneider) hatte im letzten Akt ihren schauspielerisch überzeugenden und großen Auftritt, als sie, entgegen allen Warnungen und Drohungen ihres Mannes, die Wahrheit hinausschreien muss, weil sie die Intrigen, die Heucheleien und die daraus entstandenen Tragödien nicht mehr aushält und somit die Herrschaft der Männerwelt ignoriert und ad absurdum führt.

Ein netter Regieeinfall war die ironisierte Messerattacke im Torerostil von Rodrigo (Fatih Kösoglu), dem willfährigen Freund Jagos, auf Cassio. In weiteren Rollen gefielen der Doge von Venedig (Adam Kettel), Brabantio und Ludovico (Günther Bilsky) sowie Montano (Michael Grab). Eine Reihe von Edelleuten belebten kommentierend und durch stummes Spiel das Bühnengeschehen.

Die kreativen und sehr differenzierten Kostüme (Hanni Schurer) wirkten wie ein Bühnenbild, auf das Regisseur Laengerer weitgehend verzichten konnte. Denn durch Kommen und Gehen, durch Positionswechsel und Gestik, durch die Nähe zum Zuschauer an der Rampe beim sinnierenden Monolog, immer war fesselnde Aktivität auf der relativ kleinen Bühne des Komödienhauses. So konnte die Dramatik des Stückes eindringlich die Psyche des Zuschauers berühren.

Weitere Vorstellungen sind am Freitag, 19. Mai, 20 Uhr und Samstag, 20. Mai, 20 Uhr.

Jago (Julian Schmid) gelingt es bei Othello (Paul Odoeme) Zweifel an der Treue seiner Frau zu wecken