SZ-Bericht Drei Männer im Schnee

Irrungen und Wirrungen im Alpenhotel

Dramatischer Verein feiert gelungene Premiere des Silvesterstücks „Drei Männer im Schnee“

Biberach sz   Die wunderbare Komödie „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner hat am Silvesterabend ihre Premiere beim Dramatischen Verein gefeiert. Das Premierenpublikum zeigte sich über die gute Inszenierung sichtlich begeistert.

 Im Stück gibt es eine zweigeteilte Gesellschaft. Der Humorist Kästner arbeitet mit den Mitteln deutlicher Differenzierung, so sind die einen besonders gut und vom Glück begünstigt, während die anderen besonders dumm oder lächerlich erscheinen.

Die feine Gesellschaft vergnügt sich beim Maskenball im Alpenhotel. 

1932 hatte Kästner in einem Alpenhotel in Kitzbühel Urlaub gemacht und dort interessante Typen getroffen, war auch der gesellschaftlichen Arroganz der „Bessergestellten“ begegnet. Aus dieser Erfahrung entstand wenig später sein Roman „Drei Männer im Schnee.“ Das Buch erschien zuerst im Ausland, da Kästner von den Nazis verboten worden war. Nach dem Roman drehte Kurt Hoffmann 1955 in Kitzbühel seinen gleichnamigen Film. Das von Kästner selbst verfasste Drehbuch hält sich genau an die Buchvorlage.

Regisseur Thomas Laengerer hat sich in seinem Konzept klugerweise eng an dem Film orientiert, nutzt die expressive Kraft Kästnerscher Sprache, scharf und ironisch, auch spitzzüngig. Er projiziert Filmausschnitte und ermöglicht so interessantes Doppelsehen.

Worum geht es? In einem luxuriösen Alpenhotel treffen drei Herren ein. Der Ältere scheint einfachen Standes zu sein, kommt ärmlich gekleidet daher. Gleichzeitig trifft ein junger Mann ein. Für beide ist der Hotelaufenthalt der Gewinn eines Preisausschreibens. Einer der Männer ist aber ein Millionär, wie der Hotelleitung telefonisch mitgeteilt wird, und die verwechselt die beiden.

Der reiche Mann ist Geheimrat Schlüter, der Ältere, der menschenstudienhalber als schlichter Bürger auftritt und sich mit dem jungen, Fritz Hagedorn, anfreundet. Der Dritte im Bunde ist Schlüters Diener Johann, der ihn hier aber nicht kennen darf. Übermütig bauen die Drei einen Schneemann. Die Verwicklungen und Verwirrungen sind durch die Verwechslung programmiert. Da es eine Komödie ist, gibt es noch die junge attraktive Hilde, die Tochter des Älteren, und ein Happy-End ist unvermeidlich. Der junge Mann bekommt am Schluss eine Anstellung in Schlüters Firma und als Dreingabe dessen Tochter.

Zweigeteilte Gesellschaft

Im Stück gibt es eine zweigeteilte Gesellschaft. Der Humorist Kästner arbeitet mit den Mitteln deutlicher Differenzierung, so sind die einen besonders gut und vom Glück begünstigt, während die anderen besonders dumm oder lächerlich erscheinen.

Auf der einen Seite die positiven Charaktere wie Eduard Schlüter (Martin Schäffer), seine Tochter Hilde (Nathalie Muhsau), Butler Johann und Hausdame Kunkel (Günther Bilsky, Gudrun Scharping) und Fritz Hagedorn (Tom Talaj) mit seiner Mutter (Anke Leidig). Manfred Buck ist in drei kleineren Rollen zu sehen. Auf der anderen Seite die vergnügungssüchtigen Frauen auf Männerjagd (Karin Seifermann und Stefanie Roßknecht) sowie die überheblichen Hotelmenschen, Direktor (Hans-Joachim Bündgen) wie Portier (Adam Kettel).

Regisseur Laengerer hat insgesamt eine stimmige Besetzung zur Verfügung, differenziert plausibel die Darstellungsweisen der handelnden Personen, nimmt die „gehobene Gesellschaft“ auf die Schippe. Die blasierten Gäste und das arrogante Personal drehen aufgesetztes Spiel und blasierte Sprache mitunter bis zur Karikatur hoch – köstlich. Weitere Kästner-Verse ergänzen den Bühnentext.

Die Darsteller haben Kästners Intentionen mit Spielfreude und rollenspezifisch schöner Sprache in stilvollen Kostümen (Hanni Schurer, Petra Sontheimer) optimal verwirklicht, sind vom Regisseur bis in Nuancen typgerecht geführt. Die schnellen Szenenwechsel des Films vollzieht Laengerer in Martin Schäffers Bühnenbild mit drei Spielebenen und Lichtregie optimal nach.

Roland Boehm hat eine wohlklingende und situationsgerechte Musik geschrieben, die er und Peter Barth spielen, bezog den „Kleinen grünen Kaktus“ der „Comedian Harmonists“ und Vico Torrianis Ohrwurm von 1955 „Zwei Spuren im Schnee“ mit ein. Das Stück ist pures Theatervergnügen, hält den komödiantischen Spannungsbogen bis zum Happy-End aufrecht.

Weitere Vorstellungen sind am 8., 9., 15., und 16. Januar, jeweils um 19.30 Uhr in der Stadthalle. Karten gibt es unter anderem beim Kartenservice der Stadthalle, Theaterstraße 6, bei Südfinder-Ticket unter Telefon 0751/29555777 oder unter www.reservix.de.

(von Günther Vogel)

Schließen Freundschaft im Schnee: (v. l.) der reiche Geheimrat Schlüter (Martin Schäffer), der arme Dr. Hagedorn (Tom Talaj) und Schlüters Diener Johann (Günther Bilsky).